Zeit für einen Wechsel
Dr. Frank Martens – der neue Landrat
1. Was zeichnet Sie aus – auch im Vergleich zu Ihrem Mitbewerber?
Ich bin ein Kind des Kreises; hier bin ich geboren und aufgewachsen. Hier habe ich mich auch „von der Pike auf“ politisch engagiert. Für mich ist der Kreis Rendsburg-Eckernförde eine Herzensangelegenheit. Das macht schon einen Unterschied, es ist halt nicht alles einfach nur „Verwaltung“; die Menschen hier sind ein ganz eigener Schlag und man muss sie gut kennen, wenn man vernünftig mit ihnen und für sie arbeiten will.
Besonders freue ich mich natürlich, dass ich in der eigenen Partei uneingeschränkten Rückhalt habe. Das gibt mir Rückenwind nicht nur für den Wahlkampf. Den Rückhalt in der Partei führe ich nicht zuletzt auf meine Fähigkeit zu integrieren und meine sachliche unaufgeregte Art zurück, an Herausforderungen heranzugehen. Der neue Landrat muss unterschiedliche Interessen bündeln, zusammenführen und integrieren – und keine Spaltpilze setzen und an diesen Reibereien sein Ego befriedigen.
Ich bringe langjährige Erfahrungen aus der Kommunalpolitik und der freien Wirtschaft in das Amt des Landrats ein. Angesichts der Zerstrittenheit zwischen CDU und „ihrem“ Landrat und ihrer gemeinsamen mageren Bilanz kann nur ein Wechsel den notwendigen frischen Wind bringen.
2. Rendsburg-Eckernförde ist fast so groß wie das Saarland. Kann man da als Landrat überhaupt bürgernah sein?
Natürlich ist es als Landrat eines Kreises mit 165 Gemeinden und mehr als 270.000 Einwohnern ausgeschlossen, ein ähnlich persönliches Verhältnis zu allen Bürgerinnen und Bürgern aufzubauen, wie dies ein Bürgermeister einer kleinen Gemeinde mit wenigen hundert Einwohnerinnen und Einwohnern kann. Ich werde aber ein Landrat für alle Bürgerinnen und Bürger des Kreises sein – für die Menschen aus den größeren Städten und Gemeinden ebenso wie für diejenigen aus den kleinen ländlichen Gemeinden. Deshalb habe ich bereits im letzten Sommer alle 165 Gemeinden unseres Kreises besucht und mir einen persönlichen Eindruck verschafft.
3. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Weichenstellungen, die in den kommenden Jahren auf den Kreis zukommen?
Auch auf kommunaler Ebene wird es immer wichtiger, den demographischen Wandel zu gestalten. Wir haben das Glück, dass wir in unserem Kreis für alle Generationen etwas zu bieten haben ¬– für junge Familien ebenso wie für die ältere Generation. Aufpassen müssen wir aber, das Angebot den sich wandelnden Bedürfnissen anzupassen. Ich setze mich für bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten ebenso ein wie für einen Ausbau der Angebote im Gesundheitsbereich – ein Wirtschaftsbereich, in dem unser Kreis bereits sehr stark ist.
4. Über Privatisierungen wird in der Kreispolitik immer wieder heftig debattiert - zum Beispiel, wenn es um die Zukunft der Kreiskrankenhäuser geht. Wie ist Ihr Standpunkt in dieser Frage?
Ich kenne das Kreiskrankenhaus in Rendsburg seit meiner Geburt und war später einige Jahre Mitglied des Aufsichtsrats der Trägergesellschaft. Nicht nur deshalb liegen mir unsere Krankenhäuser besonders am Herzen. Ich bin überzeugt, dass sie für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind und werde mich daher dafür einsetzen, dass der Kreis weiter alleiniger Träger der Krankenhäuser in Rendsburg und Eckernförde bleibt. Wer seine Krankenhäuser privatisiert, muss befürchten, dass Profitinteressen eine größere Rolle spielen als das Patientenwohl. Privatisierungen sind daher aus meiner Sicht nicht der Weg, den der Kreis gehen sollte.
5. Während unser Nachbarkreis Schleswig-Flensburg zu Deutschlands Top-Regionen in Sachen Familienfreundlichkeit zählt, kommt Rendsburg-Eckernförde bei diesem Thema nicht von der Stelle - so steht es im Familienatlas der Bundesfamilienministerin. Wie kann der Kreis für Familien attraktiver werden?
Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat der Kreis in der Tat noch Nachholbedarf, hier haben wir im Familienatlas im Bundesvergleich unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Für die 3-6-Jährigen haben wir zwar eine ausreichende Zahl von Kindergartenplätzen, bei der Ganztagsversorgung liegen wir jedoch im Bundesvergleich auf einem „Abstiegsplatz“ (einem Platz im hinteren Achtel). Hier werde ich mich für eine Ausweitung der Betreuungszeiten und eine weitere Verbesserung der Betreuungsqualität stark machen.
Um Krippenplätze ist es in unserem Kreis ziemlich schlecht bestellt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass rasch zusätzliche Krippenplätze geschaffen werden und wir möglichst bald ein bedarfsgerechtes Angebot vorhalten. Alle Eltern, die dies wünschen, sollen für ihr Kind einen Krippenplatz finden.
6. Derzeit machen sich viele Menschen Sorgen um die Qualität der Pflege. Wie kann der Kreis für Verbesserungen sorgen?
Nicht nur weil ich mit einer Krankenschwester verheiratet bin, liegt mir die Qualität der Pflege besonders am Herzen. Insbesondere wenn sich Menschen nicht mehr selbst gegen etwaige Missstände wehren können, sind sie auf den Schutz des Staates besonders angewiesen. Ich werde dafür sorgen, dass die Heimaufsicht des Kreises personell ordentlich ausgestattet wird und die Alten- und Pflegeheime auch unangemeldet kontrolliert werden, um die schwarzen Scharfe, die sich ja glücklicherweise in der Minderheit befinden, zur Verantwortung zu ziehen. Hier darf nicht an der falschen Stelle gespart werden.
7. Wie kann vermieden werden, dass die ländlichen Gebiete im Kreis zurückbleiben?
Bei der Förderung der ländlichen Räume müssen Land, Kreis und Gemeinden Hand in Hand arbeiten. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten sowie eine attraktive Infrastruktur zu sichern, sind zentrale Ziele der Politik für den ländlichen Raum. Zu den wichtigsten Infrastruktureinrichtungen gehören für mich die Schulen im ländlichen Raum. Möglichst viele dieser Schulen müssen erhalten werden – „kurze Beine, kurze Wege“ lautet hier das Motto.
8. Stichwort „leistungsfähige Verwaltung“ - wie würde ein Landrat Dr. Frank Martens seine Kernaufgabe als Verwaltungschef anpacken?
Grundvoraussetzung für eine leistungsfähige Verwaltung sind aus meiner Sicht motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bin überzeugt, dass nur zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimale Arbeitsergebnisse erbringen können. Dazu gehört, dass sich der Landrat ausreichend Zeit für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt und ihnen vertrauens- und respektvoll begegnet.
Aber auch moderne Technik kann heutzutage einen wesentlichen Beitrag für eine leistungsfähige Verwaltung leisten. Das schließt auch ein erweitertes Internet-Angebot für die Bürgerinnen und Bürger mit ein.
9. Neben Ihrer beruflichen Karriere haben Sie sich früh engagiert. Was waren Ihre Erfahrungen als junger Mensch in der Politik?
Engagement für das Gemeinwohl war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Mit 17 bin ich in die SPD eingetreten, mit 21 Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Kreistags geworden, mit 23 erstmals direkt gewählter Kreistagsabgeordneter und mit 29 Stellvertreter des Landrats. Ich hatte dabei nie das Gefühl, aufgrund meines noch jungen Alters nicht ernst genommen zu werden. Vielleicht lag das auch daran, dass ich immer versucht habe, an der Sache orientierte gut durchdachte Lösungsvorschläge einzubringen. Ideologische Grabenkämpfe waren und sind nicht meine Sache.
Die Politik muss immer die Umsetzung konkreter Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger im Auge haben. So haben wir im Jugendhilfeausschuss gemeinsam mit den Gemeinden dafür gesorgt, dass sich das Angebot an Kindergartenplätzen in unserem Kreis deutlich verbessert hat. Unter meiner Mitwirkung haben wir Streetwork-Projekte und Modell-Projekte zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Jugendarbeit auf den Weg gebracht.
10. Wie beschreiben Sie Rendsburg-Eckernförde einem Besucher, der den Kreis nicht kennt?
Mein Heimatkreis Rendsburg-Eckernförde ist das Herz von Schleswig-Holstein, ist verkehrsgünstig gelegen und mit 2200 qkm einer der größten Kreise Deutschlands. Er bietet Bewohnern und Besuchern eine hervorragende Mischung. Die Vielfalt im Kreis ist beeindruckend: viel Wasser (z. B. Ostsee, Schlei, Eider, Binnenseen, Nord-Ostsee-Kanal, Eiderkanal), Wälder, Moore, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Naturparke, Gutshöfe und zahlreiche attraktive und aktive Gemeinden, in denen es sich bestens leben lässt. Im Sommer liegt überall der Duft der Rapsblüte in der Luft. Ich liebe es, in dieser Zeit mit dem Fahrrad durch unseren herrlichen Kreis zu fahren. Welcher andere Kreis in Deutschland verfügt schon über drei so wunderschöne Naturparke?
11. Was müsste sich dieser Besucher unbedingt angucken?
In einem Kreis, der so viel zu bieten hat wie der Kreis Rendsburg-Eckernförde, muss eine solche Aufzählung notgedrungen unvollständig bleiben. Ich würde einen Besucher des Kreises Rendsburg-Eckernförde auf eine Radtour entlang der Ostseeküste und der Schlei mitnehmen und mit ihm die vielen malerischen Städte und Dörfer und die tollen Ausblicke genießen. Natürlich würde ich ihn auch durch meine Heimatstadt Rendsburg führen und ihm dabei die Hochbrücke mit der Schwebefähre, den liebevoll restaurierten Stadtteil Neuwerk mit den schönen Fachwerkhäusern und den neu gestalteten Obereiderhafen zeigen. Wenn dann noch Zeit bleibt, würde ich ihm die drei Naturparke in unserem Kreis näher bringen, die ebenfalls unvergessliche Naturerlebnisse bieten.
12. Wir haben gehört, dass Skatspielen zu Ihren Hobbys gehört. Wie gewinnen Sie die Partie gegen Ihre Gegenspieler um das Landratsamt?
Fair spielen – nicht bluffen – das Spiel selbst in die Hand nehmen – alle Trümpfe ausspielen – auf den eigenen Mitspieler nicht schneiden – Punkte zählen, wenn das Spiel vorbei ist.
Vielen Dank und viel Erfolg!

